Karpaltunnelsyndrom (CTS)

Unter einem Karpaltunnelsyndrom versteht man eine „Nervenkompression“ an der Hand. In Höhe des Handgelenkes spannt sich zwischen Daumen- und Kleinfingerballen ein breites Band aus. Dieses Band (Retinakulum flexorum) ist das Dach eines Kanals in der Hand (Karpaltunnel), unter dem ein wichtiger Handnerv – der Nervus medianus – und die Beugesehnen verlaufen. 

Bei dieser Erkrankung ist dieser Kanal zu eng und es wird auf den Nerven Druck ausgeübt. Das typische erste Zeichen für diese Erkrankung ist das „Einschlafen der Hände“, besonders nachts. Dies kann sich bis zu starken „Nachtschmerzen“ steigern.

Tagsüber kann die Beschwerden bei bestimmten Tätigkeiten wie Radfahren, Autofahren oder Handarbeiten auftreten. Bei zunehmender Ausprägung kommt es zu ständigen Kribbelmissempfindungen des Daumens, des Zeigefingers, des Mittelfingers und einer Hälfte des Ringfingers. Der Kleinfinger bleibt verschont, da er durch einen anderen Nerv versorgt wird. Wird der Druck auf den Nerv nicht entlastet, schreitet das Krankheitsbild weiter fort und es entsteht ein taubes Gefühl in den Fingern. Da der Nerv motorische Anteile enthält, kann es auch zu einem Schwund der Daumenballenmuskulatur kommen. Der Daumen kann dann nicht mehr kraftvoll dem Kleinfinger gegenübergestellt werden. Die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms kann prinzipiell in zwei Kategorien eingeteilt werden, wobei eine familiäre Häufung der Erkrankung für einen genetisch zu eng angelegten Kanal spricht.

  1. Durch eine Einengung des Karpalkanals kommt es zu einer Kompression des Nerven. Die Einengung kann nach Knochenbrüchen oder Knochenwucherungen oder durch Tumoren auftreten.
  2. Die häufigere zweite Kategorie ist gekennzeichnet durch ein Missverhältnis zwischen dem Tunnel und seinem Inhalt. Eine Vergrößerung der Beugesehnen, die durch diesen Kanal ziehen, drücken auf den Nerven, wobei die entzündliche Verdickung der Sehnenscheiden die häufigste Ursache ist.

Obwohl durch eine gründliche Untersuchung meist die Diagnose schon feststeht, ist eine Sicherung der Diagnose des Karpaltunnelsyndroms immer durch eine Untersuchung der elektrischen Leitfähigkeit des Nerven (NLG) erforderlich. Die Untersuchung wird im Allgemeinen von Neurologen durchgeführt. Vor einem operativen Eingriff ist sie unbedingt erforderlich und erlaubt den Behandlungserfolg zu dokumentieren. Die Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden und in Abhängigkeit von der Dauer der Symptome.

Bei anhaltenden, zunehmenden und schmerzhaften Beschwerden, sowie bei permanenter Gefühlsstörung bzw. Taubheit der Finger ist ein operativer Eingriff unerläßlich.

Liegt die Ursache in einer Verdickung des Karpaltunnelinhaltes (z.B. Sehnenscheidenentzündung) kann im Anfangsstadium versucht werden das Handgelenk nachts auf einer Schiene ruhig zu stellen. Auch kann intensive Physiotherapie von einem erfahrenen Therapeuten bei dieser Ursache eine Besserung erreichen.

Von Einspritzung von Cortison-Präparaten in den Handgelenkstunnel raten wir ab, weil dadurch Vernarbungen entstehen können, die den Erfolg einer späteren Operation erschweren können. Der Wert einer medikamentösen Behandlung ist zweifelhaft. Leider gibt es immer noch viele Patienten, die sich erst zur Operation entschließen, wenn sich schon eine schwere Schädigung des Nerven mit ständiger Taubheit und Schwund des Daumenballens eingestellt hat. Aber auch in einem sehr fortgeschrittenen Stadium sollte man die Entlastung des Nerven noch durchführen, um einen kompletten Nervenausfall zu vermeiden. Ein guter Behandlungserfolg ist dann möglicherweise wegen eingeschränkter Regenerationsfähigkeit des Nerven nicht mehr garantiert.

Die Operation, die im Allgemeinen ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt wird, hat das Ziel, die Einklemmung des Nerven auf Dauer zu beseitigen. Hierzu wird das Band (Retinaculum flexorum) vollständig unter Schonung des Nerven und der Sehnen durchtrennt. Dies kann auf zweierlei Arten geschehen nämlich durch die herkömmliche offene Methode oder endoskopisch. Da man bei der endoskopische Methode letztlich eine Unsicherheit hat, bei anatomischen Varianten unverschuldet einen Nervenast zu durchtrennen und die Vorteile der endoskpischen Durchtrennung gegenüber der „Offenen“ nur vorübergehend sind, sind wir seit einigen Jahren von dieser Methode wieder abgekommen.